Orchideen Ableger und Kindel: abtrennen, einpflanzen, pflegen

Orchideen Ableger tauchen oft ohne Vorwarnung auf: Am alten Blütenstiel deiner Phalaenopsis sitzt plötzlich eine kleine Pflanze mit eigenen Blättern. Gärtner nennen sie Kindel, im Englischen Keiki. Ein Kindel ist ein Klon der Mutterpflanze und blüht später in genau derselben Farbe.

Ob daraus eine eigene Orchidee wird, entscheidet vor allem der Zeitpunkt. Trennst du zu früh, fehlen dem Ableger die Wurzeln, um sich selbst zu versorgen. Wartest du, bis er so weit ist, hat er gute Chancen, im eigenen Topf anzuwachsen. Unten findest du die drei Kriterien für den richtigen Moment, die Anleitung zum Abtrennen und Einpflanzen und die Pflege für die ersten Wochen.

Was sind Kindel bei Orchideen? 

Kindel sind Jungpflanzen, die eine Orchidee ganz ohne Samen selbst bildet. Sie tragen dasselbe Erbgut wie die Mutterpflanze, du bekommst also exakt dieselbe Sorte noch einmal.

Je nachdem, wo sie wachsen, unterscheidet man zwei Formen:

  • Stielkindel sitzen am Blütenstiel, meist an einem Knoten, an dem sonst eine neue Blütenrispe entstanden wäre.
  • Stammkindel wachsen unten am Stamm, dicht neben den Blättern der Mutterpflanze.

Besonders oft bilden Phalaenopsis und Dendrobium Kindel, etwa die Art Dendrobium kingianum. 

Warum bekommt deine Orchidee Kindel? 

Kindel entstehen aus zwei ganz verschiedenen Gründen. Entweder geht es der Orchidee sehr gut, oder sie steht unter Stress und sichert so ihren Fortbestand.

Gute Bedingungen heißt: heller Standort, gleichmäßige Wärme, passende Wassergaben. Dann steckt die Pflanze Kraft in Nachwuchs, statt nur in Blüten. Stress kann dagegen von einer geschwächten Mutterpflanze kommen oder von zu viel Dünger.

Schau dir deshalb die Mutterpflanze genau an, bevor du dich über den Nachwuchs freust. Sind Blätter und Wurzeln fest, ist alles in Ordnung. Wirken die Wurzeln weich und braun oder die Blätter schlaff, liegt die Ursache meist beim Gießen. Dann hilft es, beim Gießen der Orchidee Staunässe konsequent zu vermeiden. Und falls du in letzter Zeit häufiger gedüngt hast: Die passende Menge steht im Beitrag Orchideen richtig düngen.

Wann kannst du den Orchideen Ableger abtrennen?  

Trenne den Ableger erst ab, wenn er mindestens zwei Blätter und zwei bis drei eigene Wurzeln von 3 bis 5 Zentimetern hat. Vorher kann er sich im Topf nicht selbst mit Wasser versorgen.

Diese drei Punkte prüfst du vor dem Schnitt:

  • Blätter: mindestens zwei, besser drei voll ausgebildete Blätter
  • Wurzeln: zwei bis drei eigene Luftwurzeln
  • Wurzellänge: 3 bis 5 Zentimeter, eher 5 als 3

Bis ein Kindel so weit ist, vergehen oft mehrere Monate, nicht selten rund ein Jahr. In dieser Zeit versorgt die Mutterpflanze den Ableger über den Blütenstiel mit. Schneide diesen Stiel deshalb auf keinen Fall ab, auch wenn er längst verblüht ist. Wann du einen Stiel ohne Kindel kürzen darfst, erklärt der Ratgeber Orchideen richtig schneiden.

Orchideen Ableger abtrennen: so gehst du vor 

Für das Abtrennen brauchst du ein scharfes Messer oder eine scharfe Schere, etwas Alkohol und Zimt oder Holzkohlepulver. Sauberes Werkzeug ist der wichtigste Schutz gegen Fäulnis an beiden Schnittstellen.

  1. Besprühe die Luftwurzeln des Kindels am Vortag leicht mit Wasser. Sie werden dadurch biegsamer und brechen beim Einpflanzen seltener.
  2. Desinfiziere Klinge oder Schere gründlich mit Alkohol.
  3. Schneide den Blütenstiel 1 bis 2 Zentimeter oberhalb und unterhalb des Kindels durch. Das kurze Stielstück bleibt am Ableger und dient später als Halt.
  4. Bestäube die Schnittstellen an Kindel und Mutterpflanze mit Zimt oder Holzkohlepulver.
  5. Lass die Schnittstellen etwa eine Stunde antrocknen, bevor du den Ableger einpflanzt.

Ein Stammkindel sitzt direkt an der Basis. Trenne es mit dem Messer dicht an der Mutterpflanze ab und achte darauf, dass seine Wurzeln vollständig am Kindel bleiben. Nimm dafür dasselbe saubere Werkzeug, mit dem du auch Orchideen schneidest.

Ableger einpflanzen: Topf, Substrat und Standort 

Setze den Ableger in einen kleinen Topf mit feinem Orchideensubstrat, niemals in normale Blumenerde. Ein Durchmesser von 6 bis 8 Zentimetern reicht für den Anfang, denn in einem großen Topf bleibt das Substrat zu lange nass.

Setze das Kindel vorsichtig in eine Mulde und führe die Luftwurzeln leicht ins Substrat. Drück nichts fest an, die jungen Wurzeln brechen schnell. Das Stielstück vom Abtrennen kannst du als Stütze nutzen. Kippt der Ableger trotzdem, helfen ein kleiner Orchideenstab und ein Clip für kleine Orchideen.

Für den Ableger gilt dasselbe wie für jede Orchidee: Er braucht ein luftiges Orchideensubstrat statt Erde. Wächst der Ableger gut, ziehst du ihn später in einen durchsichtigen Kulturtopf mit 9 cm um, wie beim Umtopfen einer ausgewachsenen Orchidee.

Als Standort eignet sich derselbe Platz wie für die Mutterpflanze: hell, ohne pralle Mittagssonne, bei Zimmertemperatur um 23 bis 25 °C.

Orchideen richtig düngen - so machst du es richtig

Pflege in den ersten Wochen nach dem Einpflanzen 

Gieße den frisch eingepflanzten Ableger in den ersten Tagen nicht. Besprühe stattdessen Blätter und Luftwurzeln vorsichtig mit kalkarmem Wasser.

Erst wenn neue Wurzelspitzen wachsen, meist nach einigen Wochen, versorgst du das Kindel wie eine erwachsene Orchidee. Das heißt: tauchen statt gießen, und das Substrat zwischendurch abtrocknen lassen. Wie lange und wie oft, steht im Ratgeber Orchideen richtig gießen.

Mit dem Dünger wartest du rund vier Wochen. Danach reicht eine schwache Dosis alle zwei bis drei Wochen, denn eine kleine Orchidee braucht wenig Nährstoffe. Unser Orchideendünger in der Dosierflasche lässt sich dafür gut verdünnen.

Und dann heißt es Geduld haben: Bis ein Kindel zum ersten Mal blüht, vergehen meist zwei bis drei Jahre. Wer nicht so lange warten möchte, findet in unserem Shop blühende Orchideen.

Häufige Fragen zu Orchideen Kindeln 

Wie sieht ein Kindel bei Orchideen aus? 

Wie eine Orchidee im Miniaturformat. Zuerst siehst du zwei kleine Blätter an einem Knoten des Blütenstiels oder unten am Stamm, später wachsen eigene Luftwurzeln dazu. Blütenknospen sehen anders aus: Sie sind rund und geschlossen und tragen keine Blätter.

Wann schneidet man Orchideen Kindel ab? 

Sobald das Kindel mindestens zwei Blätter und zwei bis drei Wurzeln von 3 bis 5 Zentimetern hat. Meist ist das nach einigen Monaten bis rund einem Jahr der Fall. Schneidest du früher, vertrocknet der Ableger.

Warum bekommen Orchideen Kindel? 

Weil es ihnen sehr gut geht, oder weil sie unter Stress stehen. Prüf die Mutterpflanze: Feste Blätter und feste Wurzeln sprechen für gute Bedingungen. Weiche Wurzeln oder zu viel Dünger sprechen für Stress.

Soll ich den Blütenstiel mit dem Kindel abschneiden? 

Nein, lass den Stiel stehen, bis das Kindel eigene Wurzeln hat. Über diesen Stiel versorgt die Mutterpflanze den Ableger mit Wasser und Nährstoffen. Erst beim Abtrennen kürzt du ihn auf 1 bis 2 Zentimeter rund um das Kindel.

Wann blühen Orchideen Kindel? 

Rechne mit zwei bis drei Jahren bis zur ersten Blüte. In dieser Zeit baut der Ableger Blätter und Wurzeln auf. Er blüht dann in derselben Farbe und Form wie die Mutterpflanze.

Was macht man mit einem Orchideen Kindel? 

Lass es an der Mutterpflanze wachsen, bis es bereit ist, und topfe es dann einzeln ein. Die Anleitung dazu steht oben unter „Orchideen Ableger abtrennen“. So bekommst du eine zweite Pflanze derselben Sorte, ohne eine neue kaufen zu müssen.